Mittwoch, 27. November 2019

Jahrestagung zum Thema: Jesus als Lehrer

Passend zum Thema war ein Tisch im Tagungsraum zum Gleichnis von der verlorenen Drachme gestaltet. 

40 Religionslehrerinnen und Religionslehrer zu Gast im Kloster St.Maria in Esthal

Esthal. Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Kirchendienst, die im Bereich Grundschule und Sekundarstufe I eingesetzt sind, trafen sich im November zu ihrer traditionellen Jahrestagung zum Thema „Jesus als Lehrer“. Zu Gast war die Gruppe unter der Leitung von Birgitta Greif, Studiendirektorin im Kirchendienst, im Kloster St. Maria in Esthal. Als kompetente Referentin war Prof. Dr. Susanne Luther von der Universität Groningen (NL) eingeladen. Sie verstand es, die Gruppe zu begeistern und Jesus als Lehrer in einen ganz neuen Fokus zu rücken. Seine Gleichnisse wurden aus befreiungstheologischer Sicht gelesen und beispielhaft für den Unterricht aufbereitet.

Jesus fordere seine Jünger auf, ihn zu imitieren, ihn zum Vorbild zu nehmen, wenn er sage: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben...“ (Joh 13,15), erklärte die Referentin. Intensiv setzte sich die Gruppe mit dem Begriff der Mimesis auseinander. Dabei ging es einerseits um den Blick nach innen, indem der Mensch seine eigene Jesus-Nachfolge bedenkt und reflektiert, und andererseits um die Perspektive nach Außen, indem er, angeregt durch die mimetische Beschäftigung mit der Lehre Jesu, nach Möglichkeiten sucht, die Welt nach dem Willen Gottes und der Lehre Jesu zu gestalten. Nach dieser nicht leicht zu verdauenden Kost schärfte dann eine weitere Arbeitseinheit zur Analyse literarischer Figuren den Blick für die biblische Botschaft. Alt bekannte Texte, die jeder zu kennen glaubt, wurden so für die Teilnehmer der Tagung in ganz neuer Weise lebendig.

Der zweite Sitzungstag galt den Gleichnissen als Lehrtexte. Prof. Dr. Luther führte in die Aspekte der Gleichnisauslegung ein. Einzelschritte waren die sprachlich-narrative und die sozialgeschichtliche Analyse, die Analyse des Bedeutungshintergrundes, sowie Deutungshorizonte.
Wichtige Erkenntnis für die Religionslehrerinnen und Religionslehrer: Gleichnisse sind deutungsoffene Rätselworte. Sie sind deutungsaktiv, d.h. sie fordern eine eigene Deutung durch den Hörer. Der Gleichnis-Erzähler Jesus Christus gab seinerseits keine Imperative vor. Er traute den Hörern zu, dem Gehörten selbst einen Sinn zuzuschreiben. Bei dem Gespräch darüber stellte sich für die Teilnehmer der Tagung auch die Frage nach Pluralität und nach Grenzen der Gleichnisauslegung, die eifrig diskutiert wurde.  

Ein Höhepunkt der Tagung war die Eucharistiefeier mit Domdekan Dr. Christoph Kohl und der Schwesterngemeinschaft in der Klosterkirche. Auch die Geselligkeit beim Waldspaziergang und am sogenannten Bistumsabend kam nicht zu kurz. Geehrt wurde aus der Gruppe Gemeindereferentin Rita Vogel, die auf 25 Dienstjahre zurück blicken konnte.

Gestärkt an „Leib und Seele“ und mit einem neu entdeckten Schatz an Zugängen zu biblischen Texten  im Gepäck, konnte die Religionslehrer und Religionslehrerinnen nach zweieinhalb Tagen die Heimreise antreten.

Text/Foto: Schulabteilung - Birgitta Greif