Montag, 24. Oktober 2022

Ein spiritueller Kraft- und Segensort

Der Abschlussgottesdienst der Wallfahrt mit Bischof Wiesemann fand in San Francesco statt. 

140 Wallfahrer*innen kehren gestärkt und berührt aus Assisi zurück

Assisi/Speyer. Friedensstifter, Brückenbauer, Tier-, Natur- und Menschenfreund: Der Heilige Franz von Assisi ist mit seinem Leben und Wirken ein großes Vorbild gerade in der heutigen Zeit. Rund 140 Pilger*innen aus dem Bistum Speyer haben den Heiligen und seine Botschaft während ihrer Wallfahrt in der vergangenen Woche intensiv kennengelernt.

Über 60 Pilgerinnen und Pilger hatten sich für die Wander-Pilgerreise entschieden und näherten sich Assisi von Norden und Süden auf dem Franziskusweg. Die Fußwallfahrer erlebten vier Tage bei bestem Wanderwetter. Eindrucksvolle Panoramablicke in die umbrische Landschaft entschädigten immer wieder für die anspruchsvollen Wege. „Es ist schwieriger als gedacht“, waren sich die Wandergruppen einig. Da waren nicht nur die vielen Höhenmeter, die es bei An- und Abstiegen zu überwinden galt, sondern auch die unebenen Wege voller Geröll.

Schnell wurden die Wander-Pilgergruppen zu einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig half und auch trug. „Es tut gut, den Zusammenhalt in der Gruppe zu spüren und Unterstützung zu erfahren“, sagte Angelika Büttner-Noby aus Ludwigshafen, eine der geistlichen Begleiter*innen. Es sei eine wichtige Erfahrung, die eigenen Grenzen kennenzulernen und auch ernst zu nehmen. „Pilgern macht was mit den Menschen“, fasste Stefan Schwarzenmüller aus Pirmasens zusammen. Jeden Tag breche die Gruppe aufs Neue mit Gottes Hilfe auf. Der Pastoralreferent war ebenfalls als geistlicher Begleiter dabei und hatte eine Franziskus-Puppe im Gepäck, die immer dann zum Einsatz kam, wenn er bei Impulsen und Andachten über das Leben des Heilige Franziskus sprach.

Heiliger Franziskus ist immer dabei

Eine weitere, gehäkelte Franziskus-Figur steckte im Rucksack von Schwester Franziska Steffens aus Kaiserslautern. Häkeln ist das Hobby der Dillinger Franziskanerin und sie hat schon zahlreiche Heiligenfiguren verschenkt. Der erste Häkel-Franziskus entstand für ihre Mitschwester Sabine, die mit Schülern in Etappen bis nach Assisi wandert. Die kleine Figur wurde zu einem festen Begleiter und ist ein beliebtes Geschenk für Gastgeber auf dem Weg. Für Schwester Franziska, die ihren Namen bei der Profess „bewusst behalten“ hat, ist die Pilgerreise nach Assisi ein Geschenk zu ihrem 25-jährigen Profess-Jubiläum. Zwei Mal war sie bereits in Assisi, doch noch nie mit einer Pilgergruppe. „Die Kombination von körperlichem Auspowern und geistlichen Impulsen, dazu eine nette Gruppe – das hat mich sehr angesprochen“, sagte sie.

Auch für Silvia Zimmer aus der Pfarrei Hl. Familie in Blieskastel ist das gemeinsame Erleben sowie das Treffen mit anderen Gläubigen aus dem Bistum ein wichtiger Aspekt. Sie war mit mehreren Pilgerfreund*innen unterwegs, die sie auf der Bistumswallfahrt 2019 nach Santiago kennengelernt hat. „Es ist Luxus-Pilgern“, sagte sie mit Blick auf die gelungene Organisation. Eine „alte Jakobspilgerin“ ist ihre Mitwanderin auf der Nordroute, Gertraud Schmitt aus Rödersheim. Wie schon auf dem Jakobsweg hat sie auch auf dem Franziskusweg abschalten und sich fallen lassen können. „Ich habe so viel Schönes gesehen und es war eine Reise unter Gleichgesinnten“, freute sie sich. Die Wallfahrt und die Zeit in Assisi erlebte sie als etwas Besonderes: „Gottesdienste, Impulse Gespräche – mir gibt das viel“, sagte sie.

„Franziskus war ein Brückenbauer“

Der erste Höhepunkt der Wallfahrt war am Dienstag, 18 Oktober, das Eröffnungstreffen auf dem Platz vor der Unterkirche von San Francesco. Erstmals trafen sich hier alle Pilger*innen, denn auch die Bus- und Fluggruppen waren an diesem Tag in Assisi angekommen. „Franziskus war ein Brückenbauer. Er hat versucht, zwischen den Welten zu vermitteln. Er kann uns helfen, über Grenzen zu denken", sagte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seiner Begrüßungsansprache. Assisi sei ein „wunderbarer, gnadenreicher Ort“, an dem man zur Ruhe kommen könne und an dem man mit Franziskus zu Gott kommen könne, „zu dem, was uns Kraft, Mut und Zuversicht geben kann". Den Heiligen bezeichnete Wiesemann als „ein Leuchtturm, nicht nur in seiner Zeit, sondern auch heute“.

Am Mittwoch, 19. Oktober, wandelten die Wallfahrer*innen bei einer Stadtführung auf den Spuren der Heiligen Franziskus und Klara und lernten ihre Lebensstationen kennen. Am Nachmittag und den folgenden Tagen luden die geistlichen Begleiter*innen die Pilger*innen zur Erkundung weiterer franziskanischer Orte in Assisi und der näheren Umgebung ein. Wanderungen führten etwa zur Einsiedelie Carceri, nach San Damiano, nach Rivortoto oder nach Santa Maria degli Angeli mit der Portiuncola, verbunden mit Impulsen, Andachten oder der Heiligen Messe.

Nicht fehlen durfte natürlich die Besichtigung der Kirche San Francesco mit ihren herrlichen Fresken. Hier erklärte Bruder Thomas Freidel den Wallfahrer*innen das Zusammenspiel von Kunst und Verkündigung. Der Franziskaner-Minorit Thomas ist aus Fußgönheim und einziger deutscher Pilgerseelsorger in Assisi. Er unterstützte Domkapitular Franz Vogelgesang und Dr. Anette Konrad, die die geistliche und technische Gesamtleitung der Wallfahrt hatten, bei den Planungen mit hilfreichen Tipps. Auch Grecchio besuchten die Speyerer Pilger*innen, jenes Kloster in den Bergen, wo Franziskus die Krippel erfand.

Franziskus als Friedensstifter

Ein Ganztagesausflug führte die Gruppen mit La Verna und Gubbio gleich zu zwei franziskanischen Kraftorten. In Gubbio, wo der Legende nach der Heilige Franz einen gefährlichen Wolf zähmte, feierten rund 80 Pilger*innen mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die Heilige Messe. "Es ist einer dieser besonderen Orte, um um Frieden und Versöhnung zu beten, in einer Welt die vielen Angst macht, in einer Welt voll Krieg und Hass", sagte der Bischof mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. Franziskus sei ein ganz tiefer Friedensstifter, weil er dem gewaltlosen, dem liebenden Jesus nachgefolgt sei. „Gottes Kraft ist immer größer als alle menschliche Zerstörung. Gewaltlosigkeit kann am Ende siegen,", gab er den Pilger*innen als Hoffnungssatz mit auf den Weg. Die glaubenden Menschen seien die Hoffnungsträger unserer Zeit. „Nichts ist wichtiger in unserer heutigen Zeit als Hoffnung zu bekommen, sich daraus mutig und engagiert einzusetzen und immer wieder neu Frieden und Versöhnung zu wagen. Da kann uns Franziskus ein wunderbarer Begleiter sein“, betonte der Bischof.

Bei allen Gottesdiensten und so manchen Andachten sorgten Horst Christill und Christian von Blohn für die musikalische Gestaltung. Die beiden Musiker hatten im Vorfeld auch die Liedauswahl für das Pilgerheft getroffen. „Singen ist im Gottesdienst unverzichtbar“, sagte Horst Christill. Für ihn ist Musik ein eigener Ausdruck von Glaube und Verkündigung, „eine Ausdrucksform, die alle Menschen mit einbezieht“. Ideal sei es, wenn das gesprochene Wort im Gottesdienst und die Musik aufeinander Bezug nehmen. „Dann wird das Lied zum Gebet“, so Christill. Dies gelang Christill und von Blohn auch beim Abschlussgottesdienstes in San Francesco am Freitag mit dem C-Dur-Doppelkonzert für zwei Klaviere von J. S. Bach.

Was ist das Besondere an Assisi?

„Was ist das Geheimnis des Heiligen Franziskus? Warum hat dieser Ort so eine unglaubliche Anziehungs- und Ausstrahlungskraft? Warum zieht er so viele Menschen an?“ – Diesen Fragen ging Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann in seiner Abschlusspredigt nach. Jede*r Pilger*in könne der besonderen Ausstrahlung nachspüren und fragen: Was hat mich berührt? Was nehme ich mit in den Alltag? In Franziskus sei die entwaffnende Liebe Gottes zu den Menschen wieder aufgeleuchtet. Franziskus berühre, weil der das Verletzbare in uns wieder zur Würde erhebe. „Es geht um das nackte Menschsein vor Gott, um die entwaffnende Liebe Gottes, die durch Franziskus in unserer Zeit wieder aufblüht", sagte der Bischof. Dies sei tröstend und aufbauend. Nehmen wir dies mit in unseren Alltag, in unser Bistum, in unser Zeugnis vor Ort", schloss der Bischof seine Predigt.

Erfüllte und berührende Tage

Die Pilgerinnen blickten erfüllt auf die gemeinsamen Tage zurück. „Wir sind Gott dankbar, dass wir an der Bistumswallfahrt teilnehmen dürfen“, sagte Ludwig Raff. Der Altlußheimer und seine Partnerin Hildegard Braun sind mit dem Bus nach Assisi gereist und machen jedes Jahr eine Wallfahrt – schließlich haben sie sich vor 17 Jahren auf einer Wallfahrt in Israel kennengelernt. „Es war wohl Fügung“, lachte Hildegard Braun. Diözesanwallfahrten haben für sie einen hohen Stellenwert. An dieser Wallfahrt hat das Paar besonders die Begegnung mit dem Heilige Franz gereizt: „Er entspricht unserem Leben. Wir werfen nie Lebensmittel weg und leben einfach“, sagten sie.

„Viele Menschen sind tief berührt worden“, blickt Domkapitular Franz Vogelgesang auf die Tage in Assisi zurück. „Für mich waren die kleinen Dinge am Rande die Highlights, etwa bei den Wanderungen die oft sehr tiefgehenden Gespräche, auch die kleineren Gottesdienstformate. Und am Rande heißt ja mittendrin“, sagt er. „Alles ist ohne große Probleme und in Harmonie abgelaufen“, zieht er ein positives Fazit.

„Es ist schön, dass sich Menschen aus dem ganzen Bistum aufgemacht haben. Jeder Einzelne hat an vielen verschiedenen Orte Franz und Klara begegnen und zur Ruhe und Stille kommen können“, resümiert Bischof Wiesemann. „Wir haben große Gottesdienste gemeinsam gefeiert, die uns geistig gestärkt haben. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, geistliche Stärkung zu bekommen.“ Assisi habe deutlich gemacht, was ein Segensort sei – auch für die Vision des Bistums. „Es ist deutlich geworden, was für eine Kraft, für eine Ermutigung für unsere heutige Zeit ausgehen kann von Menschen wie Franziskus.“

Text: Dr. Anette Konrad/Foto: Marco Fraleoni

 

Einen Zwischenbericht zur Wallfahrt hatte die Bistumszeitung der PILGER veröffentlicht:

https://www.pilger-speyer.de/nachrichten-der-pilger/nachrichten/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=30630&cHash=5124828679f1509a5321b1cf6b576f12

Ein Bericht vom Start der Buspilgergruppen ist hier zu finden:https://www.bistum-speyer.de/news/nachrichtenansicht/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=30557&cHash=67b3f98e69661a671a33edcd834851b8

Impressionen von der Wallfahrt:
https://www.bistum-speyer.de/aktuelles/bildergalerien/wallfahrt-nach-assisi-2022/

Mehr Nachrichten zur Wallfahrt gibt es auch über die Social Media-Kanäle des Bistums:
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